Flucht aus dem Kosovo: Massenstreik mit den Füßen!

Flucht aus dem Kosovo: Massenstreik mit den Füßen!

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Trepça Minen in Mitrovicë, Kosovo: Hier streikten Arbeiter_innen 1989 für den Erhalt des Autonomiestatus des Kosovo und Anfang 2015 für die Wiederverstaatlichung der mittlerweile privatisierten Minen
Trepça Minen in Mitrovicë, Kosovo: Hier streikten Arbeiter_innen 1989 für den Erhalt des Autonomiestatus des Kosovo und Anfang 2015 für die Wiederverstaatlichung der mittlerweile privatisierten Minen
Lizenz: 
CC Attribution, Non-Commercial, Share Alike
Quelle: 
Wikimedia Commons, Autor: Diego Delso

Als Ende 2014 und Anfang 2015 vermehrt Menschen aus dem Kosovo nach Deutschland kamen, sorgte die Politik für Alarmismus. Der grüne baden-württembergische  Ministerpräsident Kretschmann tat sich mit der Forderung an Angela Merkel hervor, das Personal des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aufzustocken, um schnelle Asylverfahren - sprich: schnelle Ablehnungen und Abschiebungen - zu ermöglichen. Bayern forderte, den Kosovo zum sicheren Herkunftsstaat zu erklären. Vorerst hat sich seit einer Konferenz der Landesinnenminister im Februar die Kretschmann-Version durchgesetzt: Asylanträge von kosovarischen Staatsangehörigen werden innerhalb von zwei bis drei Wochen abgelehnt, in der LEA in Karlsruhe wurden KosovarInnen dazu gedrängt, ohne Asylantrag gleich wieder auszureisen, die Bundespolizei schickte Verstärkung an die serbisch-ungarische Grenze. Der erste Sammelabschiebecharter vom Baden Airpark startete nach einer mehrjährigen Pause im März. Auch langjährig geduldeten Flüchtlingen aus dem Kosovo, viele von ihnen Angehörige von Roma-Minderheiten, flatterten plötzlich wieder Abschiebebescheide ins Haus.

"Asylmissbrauch" wird den Kosovarinnen und Kosovaren vorgeworfen, das sagen die einen offen und suggerieren die anderen. Die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten des Landes werden zwar erwähnt, aber die Ausreise aus dem Land eher als illegitime Flucht aus der Verantwortung gezeichnet. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, schreibt Eva Weber von der Forschungsgesellschaft Flucht und Migration in einem gleichnamigen Artikel: Bei der verstärkten Auswanderung handelte sich um einen "Massenstreik mit den Füßen", der in einer historisch langen Tradition von politischen und sozialen Streiks im Land und dessen Betrieben steht. Wir sprachen mit ihr über diese These.