Einstieg des russischen Atom-Konzerns Rosatom bei der niedersächsischen Brennelemente-Fabrik Lingen

Einstieg des russischen Atom-Konzerns Rosatom bei der niedersächsischen Brennelemente-Fabrik Lingen

Die Brennelemente­-Fabrik im niedersächsischen Lingen wurde im Jahr 2011 vom damals verkündeten Atomausstieg ausge­nommen. Sie soll sogar erweitert und ihre Produktionskapazität erhöht werden. Doch um den atompolitischen Skandal noch zu steigern, ging nun Framatome, der französische Betreiber der Brennelemente­-Fabrik, mit TVEL, der Tochter des russischen Atom-Konzerns Rosatom, ein Joint Venture ein. Dies löste heftige Proteste der Anti-Atom-Bewegung aus.

Framatome beabsichtigt, im niedersächsischen Lingen jetzt auch sechseckige Brennelemente für Atom-Reaktoren russischer Bauart zu produzieren. Ein entsprechender Antrag liegt dem niedersächsischen "Umwelt"-Ministerium als atomrechtlicher Genehmigungsbehörde vor.

Die regionalen Anti-Atom-Initiativen, der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und die ÄrtztInnen-Organisation IPPNW sind entsetzt über diesen Deal mit dem russischen Regime. Sie fordern deshalb von der niedersächsischen Landesregierung sowie von der Bundesregierung ein klares Veto gegen diese französisch-russische Kooperation im internationalen Atom-Geschäft.

"Es ist unfaßbar: Seit 13 Monaten führt Rußland einen blutigen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der Kreml-Konzern Rosatom ist daran durch die Besetzung des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja unmittelbar beteiligt. Doch der französische Atomkonzern Framatome tut so, als sei Rosatom weiterhin ein Geschäftspartner wie jeder andere. Warum springen bei diesem unverantwortlichen Atomdeal in Hannover und Berlin nicht sofort alle Signale auf rot? Am wirkungsvollsten ist natürlich die Stilllegung der Brennelemente­-Fabrik im Rahmen eines umfassenden Atomausstiegs", sagte Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz.

Zudem befürchten die Anti-Atom-Initiativen, der BBU und IPPNW aktuell schon für die nächsten Tage einen neuen Uran-Transport von Rußland zur Brennelemente-Fabrik Lingen. Das einschlägig bekannte russische Uranschiff 'Mikhail Dudin' befindet sich laut Marine-Website Vesselfinder derzeit erneut in der Anfahrt auf den Hafen von Rotterdam. Dieser diente im vergangenen Jahr mehrfach der Verschiffung von russischem Uran nach Lingen sowie von Lingener Brennelementen via Rußland nach Kasachstan und China.

"Es ist ein absoluter Skandal, ein Jahr nach Beginn des brutalen völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hier in Deutschland eine russisch-französische Atom-Kooperation zu beherbergen, die gemeinsam Brennelemente für AKW herstellt", sagte IPPNW-Vorsitzende Angelika Claußen. Niedersächsische und bundesdeutsche PolitikerInnen hätten es in der Hand, dem einen Riegel vorzuschieben. Claußen forderte die sofortige Stilllegung der Brennelemente-Fabrik Lingen. Ein deutscher Atomausstieg bleibe andernfalls eine "Mogelpackung".