Ech, Oida (deutsch) 17.03.2022: Theorie und Solidarität in den Zeiten des russischen Angriffes an die Ukraine.

Theorie und Solidarität in den Zeiten des russischen Angriffes an die Ukraine.

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Ein Kriegs-Propaganda Plakat in Moskau mit ursprünglich Putins Kopf übermalt: No War, Tribunal, Fuck
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Quelle: 
Artem Loskutov

22:25In den letzten Tagen bekomme ich einige Fragen bzgl. des Krieges gegen Ukraine, die sich nicht direkt mit den aktuellen Folgen des russischen Angriffs an die Ukraine befassen, sondern eher theoretischer und für den linken Diskurs traditioneller Art sind. Ich versuche in derselben Sprache zu antworten, um auch einen gewissen Bezug auf die Geschichte des linken Diskurses aufrechtzuerhalten. Die Thesen, die ich hier formulieren möchte, sind:

  1. Heutige Gesellschaftsordnung Russlands stellt keine Alternative zum globalen Kapitalismus dar, eher ist sie eine der brutalsten Formen davon.
  2. Russland ist ein Beispiel der Re-Feudalisierung des Kapitalismus in einigen Teilen der modernen Welt. Als Kampf gegen Wiederherstellung eines feudalen oder absolutistischen Systems sind auch bourgeoise Revolutionen (wie Maidan 2014 in Kiew) progressiv und unterstützungswert.
  3. Die Innen- und Außenpolitik Russlands spiegelt einen eskalierten Angriff der ungebildeten feudalisierten Oberschicht der Gesellschaft auf die gebildete Mittelschicht wieder. Es ist ein Klassenkampf.
  4. Die geopolitische Denkweise („NATO vs. Russland“) verdeckt die hier oben formulierten politischen Widersprüche, und wird bei der russischen Propaganda genau dafür benutzt.
  5. Putin’s Angriff auf die Ukraine ist eine außenpolitische Fortsetzung der innenpolitischen Polizeigewalt und der Terrorisierung der postsowjetischen Zivilgesellschaft.  In diesem Kontext muss Pazifismus neu begründet und überdacht werden.
  6. Der Widerstand gegen die Re-Feudalisierung und Un-Demokratisierung der Welt soll sich als Ziel setzen, stark feudalisierte Segmente der kapitalistischen  Weltwirtschaft zu isolieren und ihre Profite zu mindern.  Geschäfte mit einer Diktatur sollen moralisch unvertretbar sein. „Russisches Gas riecht nach Blut!“ wäre hierzu eine passende Parole. 

Timur Abramovich

den kompletten Text findet ihr unter

http://www.radio-ech.org/Timur%20Abramovich%20-%20Theorie%20und%20Solida...

Ech, Oida